Von Babette Ulmer

In unserem Projekt „Heimatkarawane- wie klingt das Land heute?“ verschafften wir uns in einer Art Survey in den ländlichen Regionen Mittlere Alb und Oberschwaben einen Eindruck davon, wie sich gewachsene kulturelle Strukturen zeigen. Kultur sehen wir als Prozess, der einem immerwährenden Wandel unterliegt. Unser Anliegen richteten wir daher an die gelebte kulturelle Praxis der Menschen im Alltag, in der Ausübung ihrer alltäglichen Freizeit, gebunden in die persönlichen, familiären und beruflichen Lebenssituationen. Dies erfordert Beziehungsarbeit, damit das Vertrauen wachsen kann, welches die Grundlage für gemeinsame und achtsame künstlerische Kommunikation bildet. „Heimatkarawane- wie klingt das Land heute?“ wurde als Aufschlag konzipiert, der auf Nachhaltigkeit abzielt und Rahmenbedingungen begünstigen soll, um zukünftige Ideen gemeinsam interdisziplinär und nah an den Menschen umzusetzen. Wir wollten herausfinden, wie sich der urbane mit dem ländlichen Raum mit Hilfe kultureller Mittel miteinander in Beziehung setzen lässt. Was geschieht nun damit?

Entstanden sind lebendige Kontakte zwischen den beteiligten Menschen unterschiedlichster (sub)kultureller ländlicher und urbaner Herkünfte. Die fortlaufenden digitalen Konferenzen werden gut besucht. Gemeinsame Erfahrungen und Auswertungen der einzelnen Karawansereien werden mit den Teilnehmenden reflektiert. Die beteiligten Stadt- und Gemeindeverwaltungen sind offen für Zukunftsideen. Die vorurteilsfreien und inklusiven Fragestellungen der Heimatkarawane ermutigen weiter zur Teilnahme, um die eigenen künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken und sich gegenseitig zu beflügeln. Sie geben Zeit und Raum, um sich mit sich selbst und seiner Umwelt, regional und überregional, auseinanderzusetzen. Das gegenseitige Kennenlernen eröffnet Austausch bis in die weitreichenden Netzwerke der Verbandsstrukturen hinein und darüber hinaus. Dies bedeutet auch, dass die wichtige zivilgesellschaftliche Größe des Ehrenamtes durch Vernetzung von mehr Menschen gestärkt wird. Landes- und Bundesverbände des Amateurtheaters, der Musik, der Chöre sind sicht- und nahbar geworden und signalisieren ihren Mitgliedern die Bereitschaft zur Offenheit für zukünftige, gemeinsame Pläne. Die kulturellen Regionalmanager*innen der Kommunen und Landkreise sind zukünftig wichtige Partner*innen, um die Impulse der Heimatkarawane aufzunehmen und sich auf die transkulturelle Reise der Heimatkarawane zu begeben.

Dieses neu entstandene Netzwerk muss in Schwingung gehalten werden. Das geht über persönliche Beziehungsarbeit, derzeit am einfachsten über digitale Konferenz-Wege, aber auch in kleinen, gegenseitigen Besuchen vor Ort, dem Teilen von Veranstaltungen oder Einzeltelefonaten. Die Heimatkarawanen-Multiplikator*innen können auch zu Pandemiezeiten gemeinsam kreativ werden. Auf diese Weise wird gemeinsam reflektiert und evaluiert. Wen haben wir noch nicht erreicht, aber wollen wir unbedingt erreichen? Die Frage steht im Raum, ob sich etwas Verorten wird: etwas wie ein Heimatkarawanen-Zentrum, eine Art Basis-Camp oder Winterlager auf der Schwäbischen Alb, von welchem neue Impulse der kulturellen Bildung ausgehen, die weit über die Region hinausstrahlen können. Vielleicht ein Leerstand? Oder eingebettet in ein bereits bestehendes Theater- oder Musikbüro? Könnte es ein regelmäßiges Festival geben, das von Gemeinde zu Gemeinde zieht und immer weiter soziokulturelle Ideen schmiedet? Wie und von wem würde dies organisiert?
Wir haben die Gastfreundschaft der beteiligten Gemeinden kennengelernt und wissen nun, wen wir fragen können, wenn wir etwas brauchen. Nun geht es darum, das Gelernte umzusetzen, die erfahrene Offenheit zu leben und sich selbst mit auf den Weg zu machen. Überall auf der Welt gibt es Menschen und Initiativen, die sich sehr für unsere Herangehensweise interessieren und die über die bestehenden kommunalen, nationalen und internationalen Netzwerke der einzelnen Verbände erreicht werden können. Was wir jetzt tun müssen, ist weiter ermutigen, die neuen kreativen Freundschaften zu pflegen und damit die Beziehungen zu verfestigen und auszuweiten. Theater und Musik sind nicht nur Leben, sondern schaffen auch Heimat- in den Herzen und an Orten, in denen eine offene Begegnung möglich gemacht wird, so, wie wir dies bisher erfahren haben. Danke dafür!