Unsere Heimatkarawane - Ein persönlicher Rückblick

Von Babette Ulmer

Sehr glücklich blicke ich auf die unterschiedlichen Stationen unserer Heimatkarawane zurück.

Es ist uns- allen gemeinsam- gelungen, neue und lebenspraktische Perspektiven für den Begriff „Heimat“ zu eröffnen.

Schon lange hatten wir, die Stage Divers(e) aus Esslingen, uns herbeigesehnt, auch andernorts Gleichgesinnte zu treffen, und mit ihnen ihre kulturellen Ausdrucksweisen, ihre Sprachen, ihre Traditionen, ihre Wünsche, Hoffnungen, Visionen oder einfach nur ihre verrückten Ideen zu teilen. Dies bedeutet für uns Heimat. Die wollen wir haben und die wollen wir bieten. Interkulturelles Theatermachen ist unsere Methode dafür, dazu gehört Musik ebenso wie nonverbale Ausdrucksweisen oder Bewegung. Selten waren wir dabei so gut aufgestellt, um dieses Ziel zu erreichen, wie in diesem Projekt. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie Naemi Keuler (LABW), Bernhard König (Trimum e.V.) und ich an einem sonnigen Nachmittag in einem Gartenhäuschen im Grünen die Skizze dafür zusammenzimmerten. Schon gleich am Anfang wussten wir, dass wir so etwas Großes nur gemeinsam würden stemmen können.

Wir alle wussten aus eigener Erfahrung in der transkulturellen, generationenübergreifenden Arbeit, dass der Prozess in einem solchen Vorhaben sehr im Vordergrund stehen würde. Die Ergebnisse unserer Karawansereien würden sich nicht allein an der Qualität des jeweiligen Show Cases zeigen, sondern vor allem daran, ob es uns gelingt, alle Menschen, die mitmachen würden, so ernst zu nehmen, dass sie mit uns auch über das Projekt hinaus in Verbindung bleiben, um weiter gemeinsam kreativ zu sein. Wir wollten sie auf Augenhöhe erreichen, ihr künstlerisches Schaffen mit dem Unseren in Einklang bringen und gemeinsam etwas Neues erfinden.

Ich erinnere mich an das schöne Gefühl, als Gerlinde Kretschmann, Frau des Landesherren Winfried Kretschmann, Baden-Württemberg, dies in einem persönlichen Gespräch auf dem LABW-Fachtag Mundart in Asperg 2019 sofort verstanden hatte und schließlich auch Schirmherrin unserer Heimatkarawane wurde.

Da wir drei Vereine, Stage Divers(e), Trimum und der LABW, alle selbst transkulturell aus Menschen aus aller Welt bestehend, schon viele gemeinsame Erfahrungen über weite Strecken hinweg gemacht hatten, vertrauten wir uns gegenseitig. Eine große Bereicherung war dabei Beate Kegler, deren wissenschaftlicher Blick uns in manchen Situationen Dinge bewusst machte, die sich sehr nachhaltig auf unser laufendes Gesamtsystem auswirkten.

Ein weiterer wichtiger Qualitätssensor war die Vorstellung dieses Projektes vor unterschiedlichen Fachgremien. Noch vor der ersten Karawanserei, im Juni 2019, waren Naemi Keuler und ich nach Novi Sad in Serbien gereist, um über die Heimatkarawane auf einem internationalen Kongress des AMATEO- European Network für Active Participation in Cultural Activities zu berichten und in großem internationalem Plenum zu diskutieren. Als dann im Mai 2020 die Heimatkarawane eine von fünf Finalisten für den AMATEO-Award wurde, wussten wir, dass wir auch international verstanden worden waren. Wir hatten unsere Fragen richtig formuliert und das Projekt Heimatkarawane- wie klingt das Land heute? war für uns die authentische Methode, um Antworten darauf zu finden. Auch die Corona-Pandemie konnte daran nichts ändern. Nur unseren Methodenkoffer mussten wir weiter anpassen und dabei achtsam bleiben, dass wir niemanden auf unserem Weg verlieren. Ich glaube, das ist uns gelungen.

Danke an alle: unsere Teams und Mitwirkenden der Karawansereien bis hinein ins Digitale und wieder heraus!

Die Entstehung der Fahne in Zwiefalten
Präsentation in Zwiefalten
Spaziergang in Hülben
Spaziergang in Sigmaringendorf